Gschichtn aus Arberg und Drumherum

 

Geruhsame Zeiten

 

 

Geruhsame Zeiten erlebt, als noch Kuhgespanne unterwegs waren. Da wurde noch kein Jäger am Abendansitz von Joggern gestört, des hätt mer domols gor net gwisst, was des überhaupt is, a Jogger. Allerdings waren die Nebenerwerbsbäuerli manchmal Ombd bis zum Dunkelwerrn recht lang drausn auf ihre Felder bliebn.
So geh i eines Tags auf mein Hochsitz am Waldrand zu und genau vorm Hochsitz pflügt a Bäuerin ihr Äckerla mit ihrer Kuh gmächlich Furch um Furch. No i bin hin zu ihr und hob mi a weng mit ihr unterhaltn und sie dann gfrocht, wie lang werns denn no ackern. I mecht doa auf den Hochsitz nauf. No hat’s ganz breitwillig zu mir gsocht: Oh Herr Förster, doa kenna sie ruhig nauf of ihrn Hochsitz, sie schieniern mi net bei meim Ackern.

 

 

 

Erzählung vom Förster Hermann Thoma Goldbühl

 

Beerenernte

 

 

Mer kann gwies sogn, dass die Sechzger-Jahr kane armen Zeit´n mehr worn, ober die Leit ham halt doch auf jedn Pfennig gschaut. Und so hat sich halt manch Rentnerin ihr karges Rentla mit´m Verkaf von a boor zupften Schwarzbeern a wenig aufbessert.
Da musst mer amol wegn der Vermehrung vo Forstschädling Spritzmittl ausbringa. Vorsorglich hom mer rings um den Waldort große Schilder ghängt: „Vorsicht Gift - keine Beerenernte“ aufgstellt.
Eines Dogs, i trau meinen Augen ned, hockt doa mitten in der
g´spritzten Flächn a Beerenweibla. An ganzn Korb voller grad scheene, reifer Schwarzbeern hot`s vor sich stehn g`habt. No, do bin i ober hie zu ihr.
Ja, könnes denn net lesen, was doa af die Schilder draufstett!
Dann hot`s mi ganz treuherzig ogschaut und gsocht: Oh, Herr Förster, des hob i scho glesen, ober des macht mir fei nix aus. Ich verkaafs doch mei Schwarzbeern.

 

 

Erzählung vom Förster Hermann Thoma Goldbühl

 

Das Schicksal der Hexe Apollonia Veit aus Ornbau

 

Apollonia, die Tochter von Hans Ulrich zu Mörsach, heiratete laut Hochzeitsmatrikeln der Pfarrei Ornbau am 11.April 1605, Hans Veit von Sachsbach. Sie wurde am 17.Oktober 1616 verhaftet, der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt. Am 2.Dezember 1616 erhielt sie vom Herrn Pfarrer die Sterbesakramente. Bevor der Henker mit dem Schwert ihren Kopf abschlug, wurde ihr noch eine Henkersmahlzeit serviert. Nach der grausemen Hinrichtung wurde ihr Leichnam auf einen Scheiterhaufen gelegt und verbrannt, damit das Feuer ihre vom Teufel besessene Seele reinige.

Apollonias Mann verließ nach viereinhalb Monaten Ornbau und heiratete am 18. April 1617 Barbara Renner aus der Obermühle. Ein weiteres mal heiratete der verwitwete Johannes Veit am 23.Mai 1628 die Witwe Barbara Schmidt aus Obermühl.

Während den Verhören der Apollonia Veit mit Folterandrohungen gerieten auch Barbara Schmiedin und ihre Tochter sowie Wolf Magens schwangere Frau in den Sog der Hexenverfolgung. Sie wurden unmittelbar nach Apollonia Veits Hinrichtung am 1. Dezember 1616 verhaftet und gütlich zum Teil auch peinlich vernommen und zu einem späteren Zeitpunkt in Herrieden hingerichtet.
Der fürstliche Rat Dr. Mayr lässt im oberen Torturm in Ornbau neben dem vorhandenen Gefängnisstüberlein noch drei weiter einrichten. Für die Ausstattung der zusätzlichen Stüberl lieferten die Handwerker ein eisernes Armband und Ketten sowie einen Strick zur Scheibe der Gefängnistür. Für die Verpflegung und die Lieferung von Stroh und Brennholz zum Heizen, war der Amtsknecht zuständig.

Spätestens 1617 wurde in Herrieden ein eigenes Hexengefängnis mit 15 Zellen, einer Verhörstube und einem Folterraum eingerichtet und ein Teil der Verhafteten wurden nun von "Karrenleuten"dorthin überführt. 

Große Angst bereitete sich im Pflegamt Arberg unter den Bürgern aus, selbst leichtfertig der Trud- und Unholderei beschuldigt und verhaftet zu werden. Um dem entgegenzuwirken, reagierten die Pfleger und Kastner mit drastischen Strafen gegen Untertanen bei falschen Verdächtigungen.

 

Auszug aus einem Beitrag von Hermann Thoma in Alt-Gunzenhausen Heft70/2015

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